Wenn Körper und Seele gemeinsam Hilfe brauchen

Interview mit Dr. med. Dagmar Stelz, Ärztliche Direktorin und Chefärztin, und Guido Loy, Chefarzt, in der Psychosomatischen Klinik Bad Neustadt

Psychische Belastungen wirken sich häufig auch auf den Körper aus – und umgekehrt. Vielleicht haben Sie selbst schon erlebt, dass Stress, Sorgen oder Krisen körperliche Beschwerden verstärken können. In der Psychosomatischen Klinik am RHÖN-KLINIKUM Campus Bad Neustadt werden Menschen behandelt, deren Leben durch solche Erkrankungen aus dem Gleichgewicht geraten ist.

Wie moderne psychosomatische Therapie funktioniert und warum Körper und Seele immer gemeinsam betrachtet werden sollten, erklären Dr. med. Dagmar Stelz, Ärztliche Direktorin und Chefärztin, sowie Guido Loy, Chefarzt der Klinik, im Exklusiv-Interview für das Bäderland Bayerische Rhön.

Dr. Eith Stelz Campus Bad Neustadt

Frau Dr. Stelz, Herr Loy – was genau versteht man unter psychosomatischen Erkrankungen?

Dr. med. Dagmar Stelz:
Psychosomatische Erkrankungen entstehen häufig aus dem Zusammenspiel von körperlichen und seelischen Belastungen. Wenn die psychische Situation schwierig wird, kann sich das auch körperlich deutlich bemerkbar machen.
Das Spektrum der Erkrankungen ist dabei sehr breit: Es reicht von Depressionen und Angststörungen über Essstörungen und Traumafolgestörungen bis hin zu Schmerz- oder somatoformen Störungen. Viele der Betroffenen haben gemeinsam, dass sie ihr Leben in einer Krise nicht mehr selbst gestalten können und professionelle Unterstützung benötigen.

Welche Menschen kommen zu Ihnen in die Klinik?

Guido Loy:
Wir behandeln Erwachsene ab 18 Jahren – die Altersspanne reicht dabei bis über 80 Jahre. Besonders häufig sehen wir Patientinnen und Patienten mit Depressionen, Essstörungen oder Belastungsstörungen.
In den vergangenen Jahren beobachten wir auch neue Entwicklungen. Themen wie der Einfluss moderner Medien, gesellschaftlicher Druck oder die Auswirkungen der Pandemie spielen zunehmend eine Rolle.
Ein spezielles Therapieprogramm richtet sich zum Beispiel an junge Männer zwischen etwa 18 und Ende 20, denen der Übergang ins Erwachsenenleben schwerfällt. Sportliche Aktivitäten wie Morgensport, Boxen oder Bouldern helfen ihnen dabei, den eigenen Körper wieder bewusster wahrzunehmen und ihr Leben zu reflektieren.

Wie läuft eine Behandlung in Ihrer Klinik ab?

Dr. med. Dagmar Stelz:

Wichtig ist uns, dass Therapie nicht passiv „konsumiert“ wird. Die Patientinnen und Patienten sollen aktiv an ihrer Genesung mitarbeiten und eigene Wege aus der Krise entwickeln.
Ein zentraler Bestandteil sind deshalb tägliche Therapiegruppen sowie regelmäßige Einzelgespräche, in denen sie ihre Situation reflektieren und neue Strategien im Umgang mit Belastungen entwickeln. Zusätzlich steht rund um die Uhr ein medizinisches Team aus Ärzten, Pflegekräften und Psychologen zur Verfügung, das gerade in akuten Krisensituationen schnelle Unterstützung und Sicherheit bietet.
Ein besonderer Schwerpunkt unserer Arbeit ist außerdem die Körperpsychotherapie. Dabei geht es darum, Gefühle zunächst über das körperliche Wahrnehmen zu spüren, bevor man sie in Worte fasst. Viele Menschen – insbesondere Männer oder ältere Generationen – müssen erst lernen, über ihre Gefühle zu sprechen.

Welche Ursachen führen häufig zu psychosomatischen Erkrankungen?

Guido Loy:

Oft gibt es nicht nur einen einzelnen Auslöser. Belastungen können aus ganz unterschiedlichen Bereichen kommen: Probleme im Beruf, familiäre Konflikte, Verluste, chronische Krankheiten oder auch gesellschaftliche Entwicklungen.
In vielen Fällen zeigt sich während der Therapie, dass neben aktuellen Belastungen auch ältere Erfahrungen eine Rolle spielen – zum Beispiel aus der Kindheit oder aus früheren Lebensphasen.
Entscheidend ist deshalb, gemeinsam herauszufinden, welche Faktoren zur aktuellen Situation beigetragen haben und wo persönliche Entwicklungsmöglichkeiten liegen.

Wann ist eine Behandlung in Ihrer Klinik sinnvoll?

Dr. med. Dagmar Stelz:

Eine stationäre Behandlung kann besonders dann hilfreich sein, wenn Menschen sich in einer akuten Krise befinden. Der Aufenthalt bietet Abstand vom belastenden Umfeld und schafft einen geschützten Raum, in dem therapeutische Schritte möglich werden.
Bei leichteren Erkrankungen kann auch eine ambulante Behandlung oder eine Tagesklinik ausreichend sein. Die Entscheidung hängt immer von der individuellen Situation ab.

Was zeichnet die Psychosomatische Klinik am RHÖN-KLINIKUM Campus Bad Neustadt besonders aus?

Guido Loy:
Ein wichtiger Vorteil ist die enge Zusammenarbeit mit anderen medizinischen Fachbereichen am Campus Bad Neustadt. Wenn nötig, können jederzeit Spezialisten aus anderen Disziplinen hinzugezogen werden.
Diese interdisziplinäre Zusammenarbeit ermöglicht es, sowohl körperliche als auch psychische Aspekte einer Erkrankung gemeinsam zu betrachten.
Gleichzeitig legen wir großen Wert auf eine angenehme Umgebung: Alle Zimmer sind Einzelzimmer mit Balkon und bieten eine ruhige Atmosphäre, in der sich die Patientinnen und Patienten auf ihre Therapie konzentrieren können.

Nehmen psychosomatische Erkrankungen heute tatsächlich zu?

Dr. med. Dagmar Stelz:
Die Zahlen zeigen, dass psychische Belastungen deutlich stärker wahrgenommen werden als früher. Krankenkassenstatistiken belegen, dass die Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund psychosomatischer Erkrankungen in den letzten Jahren stark gestiegen sind.
Ein Grund dafür ist auch ein gewachsenes Bewusstsein für diese Themen. Viele Menschen holen sich heute früher Hilfe. Gerade Männer haben früher häufig sehr lange gewartet, bis sie Unterstützung angenommen haben.

Was kann jeder selbst für seine psychische Gesundheit tun?

Guido Loy:

Ein wichtiger Schutzfaktor sind stabile soziale Beziehungen. Freundschaften, Partnerschaften und Gemeinschaften geben Halt.
Ebenso wichtig sind scheinbar einfache Dinge: regelmäßige Bewegung, eine gesunde Ernährung, feste Lebensrhythmen und Rituale.
Kurz gesagt: Menschen brauchen Balance – zwischen Aktivität und Erholung, zwischen Leistung und persönlichen Beziehungen.

Wie sehen Sie die Zukunft der psychosomatischen Medizin?

Dr. med. Dagmar Stelz:
Der Bedarf wird sicherlich weiter bestehen. Jede Generation steht vor neuen Herausforderungen – sei es durch gesellschaftliche Veränderungen, digitale Medien oder wirtschaftliche Entwicklungen.
Umso wichtiger ist es, dass Menschen wissen: Sie sind mit ihren Problemen nicht allein. Hilfe zu suchen ist ein wichtiger Schritt, um wieder Perspektiven zu entwickeln.

Warum ist das Bäderland Bayerische Rhön besonders geeignet?

Guido Loy:
Ruhe, Natur und Abstand vom Alltag können Menschen helfen, wieder zu sich selbst zu finden. Genau diese Voraussetzungen bietet das Bäderland Bayerische Rhön: eine traditionsreiche Gesundheitsregion mit viel Natur, Bewegung und hoher medizinischer Kompetenz. Diese Kombination unterstützt Körper und Seele gleichermaßen auf dem Weg zurück zu mehr Balance.

IHR KONTAKT:
Dr. med. Dagmar Stelz, Ärztliche Direktorin und Chefärztin
Guido Loy, Chefarzt

Psychosomatische Klinik Bad Neustadt
Kurhausstraße 31
97616 Bad Neustadt a. d. Saale
T: 09771 67-70

Fotos: Tonya Schulz, RHÖNKLINIKUM Campus NES

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Klinikporträt:
Die Psychosomatische Klinik Bad Neustadt zählt zu den größten Einrichtungen ihrer Art in Deutschland und blickt auf über 50 Jahre Erfahrung in der Behandlung psychosomatischer Erkrankungen zurück. Die Klinik verbindet moderne Medizin mit einem ganzheitlichen Therapieansatz und der interdisziplinären Zusammenarbeit am RHÖN-KLINIKUM Campus Bad Neustadt.
Die Psychosomatische Klinik verfügt über mehr als 250 Akutbetten, 102 Plätze für Rehabilitanden, 30 Tagesklinikplätze sowie zehn Plätze in der Institutsambulanz. Rund 170 Mitarbeitende versorgen jährlich etwa 3.000 Patienten in den Bereichen stationäre, teilstationäre und rehabilitative Behandlung.
Die Klinik deckt heute das gesamte Spektrum psychosomatischer Erkrankungen ab – von Angststörungen über Essstörungen bis hin zu Depressionen und posttraumatischen Belastungsstörungen. Besonders hervorzuheben ist das Behandlungsangebot für junge Männer, die sich in einer belastenden Übergangsphase des Lebens befinden und mit psychischem Druck sowie gesellschaftlichen Rollenerwartungen kämpfen. Dieses spezifische Angebot stellt ein Alleinstellungsmerkmal der Klinik dar.
psychosomatik.campus-nes.de

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