Interview mit Dr. med. Ilka Troschke, Chefärztin in der Parkklinik Heiligenfeld in Bad Kissingen
Erschöpfung, innere Unruhe oder das Gefühl, dauerhaft unter Spannung zu stehen – solche Signale können darauf hinweisen, dass das innere Gleichgewicht zwischen Körper, Seele und Geist verloren gegangen ist. In der Parkklinik Heiligenfeld in Bad Kissingen werden Menschen mit psychischen und psychosomatischen Erkrankungen ganzheitlich begleitet. Dabei steht der Mensch in seiner Gesamtheit im Mittelpunkt.
Im Exklusiv-Interview erklärt Dr. med. Ilka Troschke, Chefärztin der Parkklinik, wie psychosomatische Erkrankungen entstehen, welche Warnsignale ernst genommen werden sollten und warum Gemeinschaft und Achtsamkeit wichtige Bausteine auf dem Weg zur Heilung sein können.

Frau Dr. Troschke – wie entstehen psychosomatische Erkrankungen?
Dr. med. Ilka Troschke:
In der Psychosomatik betrachten wir den Menschen immer als Einheit aus Körper, Geist und Seele. Gerät dieses Zusammenspiel aus der Balance, können sich seelische Belastungen auch körperlich bemerkbar machen.
In unserer heutigen Gesellschaft sind viele Menschen stark auf Leistung ausgerichtet – nach dem Motto „höher, schneller, weiter“. Wenn dabei die eigenen Bedürfnisse zu wenig Beachtung finden, sucht sich die innere Belastung irgendwann ihren Ausdruck – manchmal auch über körperliche Beschwerden. Wichtig ist, zu erkennen, dass die Seele Ursache für viele Krankheiten ist.
Woran merken Menschen, dass sie an ihre Grenzen kommen?
Dr. med. Ilka Troschke:
Der Körper kann kurzfristige Überlastung erstaunlich gut ausgleichen. Viele Menschen unterschätzen deshalb, wie lange sie auf Hochtouren laufen. Noch dazu werden wir schon als Kind kopf-fixiert, lernen, Leistung zu erbringen und achten kaum auf unsere Seele. Doch irgendwann braucht es wieder eine Phase der Erholung. Bekommt die Seele keine Auszeit, gerät unser System in Dysbalance.
Typische Warnsignale können Erschöpfung, Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme oder eine sinkende Leistungsfähigkeit sein. Auch Veränderungen im Verhalten – etwa übermäßiges Arbeiten, verändertes Essverhalten oder ein verstärkter Griff zu Alkohol – können Hinweise darauf sein, dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist. Häufig bemerken zuerst Menschen aus dem Umfeld diese Veränderungen. Deshalb muss man noch nicht krank sein. Aber es ist wichtig, dass wir körperlich, emotional, mental und spirituell wieder in Balance kommen. Dabei kann schon ein Wellnesswochenende helfen, wohltuende Massagen, einfach Ich-Zeit genießen, achtsam sein und mit bestimmten Situationen gelassener umgehen. Dann kann man durchaus noch die Kurve kriegen. Wichtig ist nur in seine Selbstverantwortung zu kommen und reflexionsfähig zu sein.
Welche Situationen führen besonders häufig zu einer seelischen Krise?
Dr. med. Ilka Troschke:
Manche Menschen geraten über einen längeren Zeitraum in eine Überlastung – etwa durch beruflichen Druck oder dauerhafte Anspannung. Andere erleben plötzlich einschneidende Ereignisse wie Konflikte am Arbeitsplatz, Mobbing, persönliche Krisen oder Verluste.
Solche Situationen können dazu führen, dass Menschen sich immer weiter zurückziehen oder sich in einer Art Spirale wiederfinden. Der Alltag funktioniert dann oft nur noch im Modus „Arbeiten – Essen – Schlafen“. Man verharrt im Verhalten und hier kommt man oft alleine nicht mehr heraus. Die eigene Seele und die eigenen Bedürfnisse geraten dabei zunehmend aus dem Blick. Da hilft dann auch die Massage nicht mehr. Wichtig zu wissen ist auch, dass in dieser Phase der Weg zur Erkrankung sehr kurz sein kann.
Wann wird professionelle Hilfe wichtig?
Dr. med. Ilka Troschke:
Viele Betroffene versuchen zunächst, die Situation alleine zu bewältigen, wenn sich die Familie oder auch die Freunde distanzieren, weil sie nicht mehr helfen können. Betroffene bauen oft eine Mauer auf, sind aggressiv und reizbar.
Empfehlenswert ist es auf jeden Fall, den Hausarzt aufzusuchen. Doch wenn eine psychosomatische Grundversorgung, Arbeitspausen und Medikation nicht helfen, wenn sich die Beschwerden verfestigen oder der Alltag kaum noch bewältigt werden kann, ist weiterführende Unterstützung wichtig. Auch hier ist der Hausarzt zunächst der richtige Ansprechpartner, um eine intensivere Behandlung zu finden. Leider ist es oft schwierig, kurzfristig einen ambulanten Therapieplatz zu bekommen. Umso wichtiger ist ein gutes Netzwerk an Hilfsangeboten, damit Menschen rechtzeitig Unterstützung finden und neue Perspektiven entwickeln können.
Leider warten viele Betroffene zu lange. Dann ist die Seele sehr verletzt und verwundet. Eine Therapie dauert dann umso länger. Wir sehen jedoch, dass viele Patientinnen und Patienten nach dem ersten Seelen-Crash viel schneller wieder zu uns kommen, weil sie merken, dass ihnen die Hilfe guttut.
Was zeichnet die Behandlung in der Parkklinik Heiligenfeld besonders aus?
Dr. med. Ilka Troschke:
In der Parkklinik verbinden wir verschiedene therapeutische Ansätze, um Menschen auf ihrem individuellen Weg zu unterstützen. Neben psychotherapeutischen Gesprächen kommen auch körperorientierte, kreative und achtsamkeitsbasierte Verfahren zum Einsatz – etwa Atem- und Körperarbeit, Meditation oder kreative Therapieformen. Wichtig ist auch die angenehme, schöne Stimmung in der Klinik, das Lachen und die Fröhlichkeit und unser friedliches Miteinander. Wir sind alle Menschen und fühlen hier unsere Verbundenheit. Das berührt mich selbst sehr.
In meine Arbeit fließen außerdem viele Erfahrungen und Erkenntnisse aus der anthroposophischen Medizin ein. Sie betrachtet den Menschen ebenfalls ganzheitlich und hilft dabei, Entwicklungs- und Heilungsprozesse besser zu verstehen.
Für mich persönlich ist diese Arbeit auch eine Herzensaufgabe: Der Sinn meines Lebens liegt für mich in Entwicklung und Heilung. Ich freue mich sehr, dass ich diese Aufgabe in der Parkklinik Heiligenfeld auf so vielfältige Weise leben und gestalten kann.
Welche Rolle spielt die Gemeinschaft während der Therapie?
Dr. med. Ilka Troschke:
Ein ganz wichtiger Faktor ist das Miteinander. In der Parkklinik erleben viele Menschen zum ersten Mal seit langer Zeit wieder eine Gemeinschaft, in der sie sich angenommen fühlen.
Die Patientinnen und Patienten arbeiten in kleineren Gruppen zusammen und erleben gleichzeitig gemeinsame Veranstaltungen. Dadurch entsteht ein unterstützendes Umfeld, in dem Austausch möglich ist und sich oft auch neue Perspektiven eröffnen.
Viele Menschen sind überrascht, welche neuen Seiten sie an sich entdecken und welche Kraft in einem respektvollen und offenen Miteinander liegen kann.
Was können Menschen selbst für ihre seelische Gesundheit tun?
Dr. med. Ilka Troschke:
Ein wichtiger Schritt ist, die eigenen Grenzen und Bedürfnisse wahrzunehmen. Dazu gehört auch, sich bewusst Zeiten der Entspannung zu nehmen und wieder mehr auf die eigene Balance zwischen Anspannung und Erholung zu achten.
Manchmal kann schon eine kleine Auszeit helfen, um Abstand vom Alltag zu gewinnen und wieder klarer zu sehen. Entscheidend ist jedoch, rechtzeitig hinzuschauen und sich Unterstützung zu holen, wenn man merkt, dass die eigene Kraft nicht mehr ausreicht.
Warum ist das Bäderland Bayerische Rhön ein guter Ort für neue Perspektiven?
Dr. med. Ilka Troschke:
Die Region bietet viele Voraussetzungen, die Menschen auf ihrem Weg zurück zu mehr Balance unterstützen können: Ruhe, Natur und eine lange Tradition als Gesundheitsregion.
Gerade dieser Abstand vom Alltag und die besondere Atmosphäre können dabei helfen, wieder zur Ruhe zu kommen, neue Kraft zu schöpfen und sich mit den eigenen Bedürfnissen auseinanderzusetzen.
Vielen Dank für das Gespräch!
IHR KONTAKT:
Dr. med. Ilka Troschke, Chefärztin
Parkklinik Heiligenfeld
Bismarckstraße 40-44
97688 Bad Kissingen
Tel: 0971 844 444
www.heiligenfeld.de/kliniken/parkklinik-heiligenfeld-bad-kissingen
Fotos: Tonya Schulz, Peter Hinz



Klinikporträt:
Die Parkklinik Heiligenfeld in Bad Kissingen ist eine Privatklinik für psychische und psychosomatische Erkrankungen. Im Mittelpunkt steht ein ganzheitlicher Therapieansatz, der Körper, Geist und Seele gleichermaßen berücksichtigt und die individuelle Lebensgeschichte sowie persönliche Ressourcen der Patientinnen und Patienten einbezieht.
Ein vielfältiges therapeutisches Angebot – unter anderem Psychotherapie, körper- und kreativtherapeutische Verfahren, Achtsamkeits- und Meditationsangebote – unterstützt den Genesungsprozess. Die Lage der Klinik am weitläufigen Luitpoldpark sowie die besondere therapeutische Gemeinschaft schaffen zudem einen Rahmen, in dem Ruhe, Selbstreflexion und neue Perspektiven möglich werden.